Oh, wie herrlich – eine deutsche Liebesgeschichte: Zwei Menschen heiraten, denken naiv „Jetzt wird alles einfacher!“, und werden dann direkt mit der romantischen Umarmung der deutschen Bürokratie gewürgt.
Willkommen im deutschen Ehe-Abenteuer™
Oder: „Integration? Gern! Aber bitte mit 3000 Formularen, drei Nachweisen und einem Blutopfer.“
Seit dem 02.03.2022 sind wir also offiziell verheiratet. Mit allem, was dazugehört: Standesamtliches TamTam, gesetzlich genehmigtes Jawort, und der unausgesprochene Pakt mit dem Teufel der deutschen Bürokratie. Natürlich dachten wir, wie romantische Anfänger: „Jetzt wird alles einfacher!“
Spoiler: Wurde es nicht.
Denn wer in Deutschland heiratet – speziell jemanden aus einem sogenannten „Drittstaat“ (ach, wie charmant diese Bezeichnung klingt) – bekommt nicht etwa ein Begrüßungspaket oder Glückwünsche vom Amt. Nein, man bekommt: Auflagen, Hürden, und den unsichtbaren Stempel „Nur unter Vorbehalt geduldet“ auf die Stirn gedrückt.
Willkommen, aber bitte nicht so laut
Wir zahlen Steuern, wir sind fleißig, wir betreiben kein „Sozialtourismus-Bingo“. Und doch stellt man sich regelmäßig die Frage:
Ist dieses Land wirklich daran interessiert, integrationswillige Menschen zu integrieren?
Oder wäre es lieber, wenn man sich still in die Ecke setzt, bloß keine Fragen stellt und schon gar nicht versucht, am System teilzunehmen?
Denn wenn man mit einem deutschen Staatsbürger verheiratet ist, könnte man ja glatt denken, das würde helfen. Haha. Niedlich.
Die goldenen drei Prüfsteine des Bleiberechts
Meine Frau bekam folgende Aufgaben vom Amt – quasi wie in einem schlechten Rollenspiel:
- Eine feste Anstellung
- Verheiratet sein mit einem Deutschen (Check!)
- Deutsch A1 – weil „Guten Tag“ und „Wurstbrot“ sagen zu können, der Schlüssel zu allem ist.
Also gut. Erstes Questziel: feste Anstellung. Ich habe mich brav umgesehen – man will ja nichts falsch machen – und stieß auf diverse Portale für Pflegeberufe. Denn: Deutschland braucht Pflegekräfte! Sagt man. Laut. Oft.
Und tatsächlich – es kamen sogar Anfragen! Zwei Vorstellungsgespräche in Pflegeeinrichtungen. Sprachbarriere? Gering.
Arbeitsklima? Freundlich.
Probearbeiten? Vereinbart.
Klingt wie ein Happy End – bis zum Showdown um 06:00 Uhr morgens.
Der Probetag oder: Eiter, Fäkalien und das Ende der Naivität
Meine Frau betrat motiviert die Einrichtung. Gegen 14:00 Uhr kam sie raus – bleich, erschüttert, und… aufgelöst. Der Grund? Sie wurde den ganzen Tag ausschließlich für die glanzvollsten Aufgaben eingeteilt, die man sich in der Pflege so vorstellen kann: Eiter. Fäkalien. Und alles dazwischen.
Nichts gegen Pflegepersonal – im Gegenteil! Höchster Respekt für diese Arbeit.
Aber meine Frau? Konnte nicht. Verständlich, oder?
Der große Trick: Selber Arbeitgeber sein
Also… Plan B: Ich stelle meine Frau selbst ein.
Ja, richtig gelesen.
Wenn niemand sie „integrieren“ will, dann mache ich das eben selbst – in unserer eigenen Firma. Der Job ist nicht hochtrabend, aber erfüllt die Forderung der Ausländerbehörde. Haken dran.
Natürlich wäre es schöner gewesen, wenn sie tagsüber brav Deutschkurse hätte besuchen können – aber leider, leider steht die Forderung nach Vollzeitjob der „freiwilligen Integration“ im Weg. Tja. Dumm gelaufen, Integration. Vielleicht das nächste Mal.
Der VHS-Kurs, der keiner war
Also entschieden wir uns für einen Deutschkurs am Abend, bei der VHS Dingolfing. Zwei Stunden, alle 14 Tage – damit man das Gelernte auch garantiert wieder vergisst, bevor’s weitergeht. Ganze 40 Stunden für 80 Euro, die man auch in Einweggrills oder Lotto investiert hätte können.
Lernwert? Minimal.
Motivation? Endlich im Keller.
Das Goethe-Institut ruft… und kassiert
Im Juli ging’s zum großen Sprachtest beim sagenumwobenen Goethe-Institut München – dem Elite-Club der Sprachzertifikate.
Kosten: 115 Euro.
Ergebnis: 38 von 100 Punkten.
Woran lag’s? Vielleicht an der Nervosität, vielleicht an der Vorliebe des Goethe-Instituts für maximal distanziertes Prüfungsklima mit dem Charme eines Fahrkartenkontrolleurs bei Regen.
Zurück zur Ausländerbehörde. Juchu!
Mit dem Ergebnis zurück zur Ausländerbehörde in Dingolfing – unsere Lieblingsfiliale im „Willkommen-im-System“-Escape Room.
Dort hieß es nüchtern:
„Kein A1 – keine Aufenthaltserlaubnis. Punkt.“
Ganz gleich, ob meine Frau:
- einen Vollzeitjob hat
- ein Nebengewerbe betreibt
- Mitglied der IHK Niederbayern ist
- nebenbei einen Minijob schultert
- sinnlos einen VHS-Kurs absolviert hat
- brav eine 115-Euro-Goethe-Prüfung abgelegt hat
- Steuern und Sozialabgaben zahlt
- mit einem Deutschen verheiratet ist
- und komplett ins System eingegliedert ist
Denn ohne Zertifikat = keine Integration. Logik Deluxe.
Bonuslevel: Die Fiktionsbescheinigung
Zu allem Überfluss drohte die Ausländerbehörde auch noch damit, die „Fiktionsbescheinigung“ nicht zu verlängern. Wir mussten also ein schriftliches Rechtfertigungs-Stück abgeben, damit man uns gnädig noch ein bisschen Luft zum Atmen lässt.
Das nächste Level ist nun: Fachanwalt für Migrationsrecht.
Denn wer in Deutschland wirklich integriert sein will, braucht nicht nur Mut, Nerven und Durchhaltevermögen – sondern am besten auch gleich ein Jurastudium.
Und der Integrationstagtraum „Einmal alles einfach, bitte!“?
Tja.
Der bleibt genau das: ein Märchen – made in Germany.