Schon bevor die Dokumente Deutschland überhaupt erreicht hatten, habe ich natürlich vorsorglich einen Termin bei einem amtlich anerkannten Übersetzer in München vereinbart. Man will ja vorbereitet sein – vor allem auf das, was einen in Deutschland zuverlässig erwartet: noch mehr Papier.
Warum München? Erstens gibt es außerhalb Münchens offenbar ungefähr so viele Übersetzer für Deutsch–Chinesisch wie Einhörner mit Steuerberaterlizenz. Und zweitens sitzt das Oberlandesgericht in München. Dort ist der Übersetzer anerkannt, kennt das Spiel und kann schon mal einschätzen, ob die Dokumente komplett sind – was in der Praxis heißt: ob man „nur“ noch drei zusätzliche Zettel braucht oder gleich wieder bei Null anfängt.
Also: einen Tag freigenommen und nachmittags nach München gefahren. Kein Problem, München ist ja nur 1,5 Autostunden entfernt. Fast um die Ecke – jedenfalls in deutscher Behördenlogik. Ich hatte vorher mit dem Übersetzer telefoniert, und er meinte, ich könne die Dokumente innerhalb einer Stunde wieder mitnehmen. Perfekt! Ein Termin, der klingt, als würde er tatsächlich funktionieren. Verdächtig.
Und siehe da: Genau so war es auch. Der Übersetzer war sehr nett und sehr hilfsbereit. Sollte er auch – für 125 Euro. Für den Preis bekommt man nicht nur eine Übersetzung, sondern praktisch auch ein kleines bisschen emotionale Stabilität dazu. Oder zumindest die Illusion davon.
So. Montag geht es dann zum Standesamt, und das Aufgebot wird bestellt. Und wenn alles gut läuft, passiert als Nächstes nur eine Kleinigkeit: irgendein neues Detail, das niemand vorher erwähnt hat. Aber hey – man muss ja realistisch bleiben.