Studieren in Deutschland ist nicht wie in China

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EINLEITUNG – ODER: WER HIER EINGESCHRIEBEN IST, HAT SCHON VERLOREN

Ein Studium beginnt – Trommelwirbel – mit dem ersten Semester. Sensationell. Alles ist neu, aufregend, überfordernd, und alle tun so, als wären sie schon seit Jahren an der Uni, während sie innerlich Google fragen, was eine Matrikelnummer ist.
Und weil’s nicht verwirrend genug ist, findet der gesamte Unterricht natürlich auf Englisch statt. Was super ist – wenn man zufällig aus Oxford kommt.
Dazu ein paar Dutzend Mitstudierende aus aller Welt, was kulturell spannend ist, aber in der Gruppenarbeit ungefähr so effizient wie ein Sack nasser Katzen.

ALLES DER REIHE NACH – DEUTSCHLAND, DAS ESCAPE ROOM FÜR INTERNATIONALE STUDIERENDE

Wie bereits dezent angedeutet: Ein Zweitstudium in Deutschland als Drittstaatenangehörige?
Klingt einfacher, als es ist.
Man muss nur ein paar unlösbare Rätsel lösen, fünf Ämter besiegen und am Ende den Drachen vom Ausländeramt überlisten. Kein Problem! Nur etwas Geduld, Blutdruckmedikation und ein funktionierender Drucker.

Absicht? Natürlich nicht. Deutsche Bürokratie ist wie ein unfallfreier ICE: theoretisch möglich, aber niemand hat’s je gesehen.

Im Studium selbst? Kommt sie bestens klar. Strebsam, hilfsbereit, so eine Art akademischer Leuchtturm mit asiatischer Arbeitsmoral. Die meisten Kommiliton:innen halten sich an sie wie Motten ans Licht – und hoffen, dass sie in Mathe mitschreibt.

DIE ERSTEN TAGE – ALLES NEU, ALLES CHAOS

Natürlich ist alles anfangs fremd. Wer hätte gedacht, dass Elektrotechnik auf Englisch nochmal drei Prozent kryptischer klingt? Manche finden sich schnell rein. Andere brauchen einen akademischen Kompass und ein Navi. Und dann gibt es die, die einfach gar nicht erscheinen.
Denn: Wer online von zu Hause aus teilnimmt, spart sich den beschwerlichen Weg von sechs Minuten zu Fuß. Wirklich heldenhaft.
Schön für sie – weniger schön für die Dozierenden, die vor halbleeren Hörsälen stehen und sich fragen, ob sie heimlich in Zoom-Rente geschickt wurden.

Ich habe meiner Stieftochter daher geraten, sich tatsächlich zu zeigen – physisch, nicht nur als Avatar im Moodle-Forum.
Denn, Überraschung: Wer präsent ist, fällt auf. Positiv.
Und siehe da: Die Dozenten merken’s. Und die Kommilitonen auch.
Kein Wunder, sie ist quasi das Einhorn der aktiven Teilnahme.

DER DEUTSCH-KURS – FÜR DEN FALL, DASS MAN MAL EINE MIETE VERSTEHEN WILL

Obwohl das Studium auf Englisch ist, besteht natürlich die Pflicht, sich einmal pro Woche in den Deutsch-Kurs zu schleppen.
Weil wer in Bayern lebt, soll gefälligst irgendwann in der Lage sein, das Wort “Anmeldung zur Rundfunkbeitragsnummer” zu entziffern, ohne in Tränen auszubrechen.

Der Kurs findet in Landshut statt, denn warum nicht ein bisschen ÖPNV-Meditation einbauen.
Die Ergebnisse dieses sprachpädagogischen Pflichtprogramms werden natürlich auch geprüft – weil sonst wär’s ja kein echter deutscher Kurs.

DIE PRÜFUNGEN – ALLES HAT EIN ENDE, AUCH DIE SEMESTERIDYLLE

Wie jedes Semester endet auch das erste mit einem kleinen, feinen Höllenritt namens Klausurenphase.
Mit dabei:

  • Mathe (natürlich)
  • Elektrotechnik (zum Träumen schön)
  • Economy (ein Hoch auf PDFs mit 120 Seiten)
  • Deutsch (klar)
  • und noch ein paar andere Fächer, die man erfolgreich verdrängt, sobald sie vorbei sind.

Inhaltlich noch „relativ niedriges Niveau“ – was wahrscheinlich bedeutet, dass man nur fünf statt zehn Stunden pro Tag verzweifeln muss.
Aber die Menge?
Na ja, sagen wir’s so: Viel hilft nicht immer viel, aber in Deutschland ist das egal.

Viele Kommiliton:innen haben das System durchschaut und einfach nicht an allen Prüfungen teilgenommen. Sie schieben sie auf später, weil was ist schon Studium ohne einen ordentlich aufgestauten Prüfungshaufen im zweiten Semester?

Tochter hingegen?
Die hat sich auf alles vorbereitet, alles geschrieben – und das mit einem Notenschnitt von 1,3 bis 1,7.
Also, um es in Studierendensprache zu sagen: „Wie macht sie das?!“

FAZIT:

Studium läuft.

  • Deutschkurs überlebt.
  • Prüfungen gemeistert.
  • Und Deutschland?
    Tut sein Bestes, um Studierende mit Regeln, Formularen und nervigen Wartezeiten zu erziehen – äh, integrieren.

Tochter? Die macht das.
Der Rest? Muss halt nachziehen.
Oder wenigstens mal zum Präsenzunterricht erscheinen.

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