Standesamt Teil 1

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Ich habe ja schon zuvor beschrieben, dass wir eng mit den zuständigen Ämtern in Deutschland zusammenarbeiten wollen. Das erste Amt ist das Standesamt – quasi der Beginn dieser romantischen Reise, bei der Liebe und Paragraphen Hand in Hand in den Sonnenuntergang stapfen. Oder eher: Liebe wird von Paragraphen an die Leine genommen.

Einen Tag nachdem die Dokumente angekommen waren, wollte ich noch schnell meine aktuelle Meldebestätigung abholen. Normalerweise kein Thema – also in einem Paralleluniversum vielleicht. Denn auf der Meldebestätigung stand immer noch „verheiratet“. Nun, Niederbayern ist in vieler Hinsicht etwas Besonderes. In diesem Fall war es vermutlich nicht mal die Schuld des örtlichen Einwohnermeldeamtes, sondern einfach der Klassiker: Daten wurden nicht übermittelt. Digitalisierung, aber bitte mit Gefühl.

Also wieder nach Hause, den Scheidungstitel geholt, zurück zum Einwohnermeldeamt – und plötzlich war ich auch dort ganz offiziell „geschieden“. Faszinierend, wie schnell Behörden sein können, wenn man mit einem Dokument wedelt, das beweist, dass man wirklich kein Glück verdient.

Nachmittags bin ich dann zum Standesamt gefahren. Gleicher Ort wie die Meldebehörde, nur ein Zimmer weiter. Manchmal ist es tatsächlich von Vorteil, in einer sehr kleinen Stadt zu leben: keine Wartezeiten, keine langen Anmeldeprozeduren, kein Ticketziehen wie im Freizeitpark der Verzweiflung.

Die Dokumente waren zwar noch nicht von einem amtlich bestellten Übersetzer beglaubigt, aber ich war neugierig, ob alles komplett ist. Also habe ich einfach mal die Standesbeamtin gefragt. Sie hatte mir zuvor bereits ausführlich in mehreren E-Mails beschrieben, welche Dokumente zur Eheschließung mit einer „visumpflichtigen Ausländerin“beizubringen seien – diese Formulierung allein ist ja schon ein kleines Gedicht. Sie signalisierte mir dann, dass alles vollständig und korrekt sei. Ein Moment, der sich ungefähr so selten anfühlt wie ein fehlerfreier Behördenbescheid beim ersten Versuch.

Die Standesbeamtin war sehr hilfsbereit und nahm sich Zeit. Zugegeben: Sie verdient ja auch nicht unerheblich an diesem bürokratischen Prozess. Und wenn schon Romantik, dann wenigstens mit Geschäftsmodell.

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