EINLEITUNG – DER WEG INS DEUTSCHE BILDUNGSWUNDER
Beim letzten Mal erzählte ich die herzerwärmende Geschichte, wie meine Stieftochter bei der APS in Peking antreten musste – das ist diese legendäre Akademische Prüfstelle, die offenbar extra gegründet wurde, um Ausländer daran zu erinnern, dass Studieren in Deutschland nichts für schwache Nerven ist.
Erster Versuch? Durchgefallen.
Wie überraschend – es wäre ja auch zu einfach gewesen, direkt zu bestehen.
Man munkelt, das gehört zum Konzept: Erstmal scheitern, dann wachsen.
Im zweiten Anlauf hat sie dann bestanden, was sie in Deutschland bereits zur Kategorie „willensstark mit Tendenz zur Überqualifikation“ hebt.
Belohnung: ein elektronisches Zertifikat. Kein Pokal, keine Parade. Einfach ein PDF.
DAS GROSSE UNTERLAGENBINGO & VISUM-LIMBO
Jetzt konnte das fröhliche Unterlagensammeln beginnen – ein Hobby, das hierzulande Kultstatus genießt.
Sie reichte also ihre ganzen Papiere bei der Hochschule Landshut ein. Aber damit nicht genug:
Natürlich braucht man auch noch einen Englischtest, Niveau B2.
Aber nicht irgendeinen Test!
Nein, es muss der IELTS sein – offenbar der Ritterschlag der anglophonen Prüfungswelt.
Also: Wochenlang büffeln, Nächte durchlernen, Augenringe in Pandastärke.
Und siehe da: Bestanden. Locker.
Dann kam der letzte Akt: Visum beantragen – Ende September, mit Studienbeginn am 1. Oktober.
Perfekte deutsche Planung: so präzise, dass selbst der Stress einen Terminkalender braucht.
Und jetzt mal kurz ernst:
Das Konsulat in Guangzhou hat das Visum in 48 Stunden ausgestellt.
Zwei. Tage.
In Deutschland braucht ein Toaster manchmal länger für eine Reparatur.
Also: Respekt, liebe Konsulatscrew. Ihr habt kurz das Raum-Zeit-Kontinuum durchbrochen.
FAZIT – WILLKOMMEN IN DER BUNDESREPUBLIK ABSURDISTAN
Sie lebt nun seit fast drei Monaten bei uns.
Und was soll ich sagen: Sie schlägt sich großartig.
Gibt Nachhilfe in Fächern, bei denen deutsche Studenten nervös ihre Studienberatung anrufen.
Nebenbei lernt sie auch noch für den deutschen Führerschein – denn anscheinend reicht es nicht, dass sie bereits einen chinesischen C1-Führerschein hat. (Spoiler: Das ist der für Leute, die halbe Busse fahren dürfen.)
Aber in Deutschland gilt die Logik:
„Du darfst sechs Monate lang fahren – voll okay. Danach? Prüfungen, sonst Fußgänger.“
Klar. Total nachvollziehbar.
Sechs Monate fährst du also fröhlich mit 220 km/h über deutsche Autobahnen – kein Problem.
Aber ab Monat sieben bist du plötzlich ein akutes Sicherheitsrisiko, das dringend eine neue Theorieprüfung über Parkregelungen in Tempo-30-Zonen braucht.
Ich mein: Wer denkt sich sowas aus?
Wahrscheinlich dieselben Leute, die die Steuererklärung für Studenten entworfen haben.
ABSCHLIESSENDE GEDANKEN
Studieren in Deutschland ist wirklich eine Reise – und zwar eine mit überflüssigen Formularen, sinnfreien Regelungen und Bürokratie als Bosskampf am Ende. Aber wer’s durchhält, bekommt nicht nur ein Studium, sondern auch einen Crashkurs in Geduld, Improvisation und psychischer Belastbarkeit.
Also im Prinzip: Lebenserfahrung auf Diplom-Niveau.
Ich freue mich jedenfalls riesig.
Wirklich.
Tief in mir drin.
Zwischen Steuer-ID, Visaanträgen und Führerschein-Ungleichbehandlung irgendwo ganz hinten links.