Am 06.03.26 war es endlich so weit: der Tag der Tage.
Die praktische Fahrprüfung stand an — im dritten Anlauf, was die allgemeine Entspannung erwartungsgemäß nicht gerade gefördert hat. Die Aufregung war entsprechend enorm, denn man möchte ja wirklich vermeiden, dass das Ganze schon wieder schiefgeht. Beim dritten Versuch entwickelt man schließlich eine gewisse emotionale Bindung an das Thema.
Diesmal musste es einfach klappen. Nicht nur aus Prinzip, sondern auch aus handfesten logistischen Gründen. Eine Woche später sollte es nämlich für zwei Wochen nach China gehen. Danach würden DongMei und ich noch eine weitere Woche dortbleiben, bevor wir beide zurückfliegen. Das bedeutete im Klartext: Drei Wochen ohne uns. Und als wäre das nicht schon abenteuerlich genug, beginnt direkt nach dem Heimaturlaub auch noch wieder die Uni.
Da stellte sich ganz nüchtern die Frage: Wie soll die Tochter drei Wochen ohne uns überleben?
Die Antwort war schnell gefunden: mit einem deutschen Führerschein.
Denn nichts steht so sehr für Reife, Unabhängigkeit und zivilisatorischen Fortschritt wie das Recht, eigenständig zum Supermarkt zu fahren.
Allein dieses Wissen steigerte den Erfolgsdruck natürlich noch einmal erheblich. Als ob „Prüfung im dritten Anlauf“ nicht ohnehin schon genug Charme und Leichtigkeit mit sich gebracht hätte.
Kurz gesagt: Es hing ziemlich viel von diesem Vormittag ab.
Sicher, es hätte auch einen Plan B gegeben, falls alles komplett den Bach runtergeht. Die Tochter eines Kollegen hätte mit ihr einkaufen gehen können. Praktisch wäre das sicher irgendwie machbar gewesen. Sozial und emotional allerdings ungefähr so angenehm wie ein verunglücktes Blind Date im Wartezimmer eines Bürgeramts. Für alle Beteiligten also eher nur eine theoretische Lösung.
Also blieb nur die bewährte Taktik: Augen zu und durch.
Die Prüfung begann um 09:30 Uhr morgens. Sie war am Abend extra früh ins Bett gegangen, um auch wirklich ausgeruht zu sein — was bekanntlich hervorragend funktioniert, wenn man vor Nervosität innerlich schon seit Stunden im Kreis fährt.
Der Fahrlehrer holte sie morgens zu Hause ab. Mutter und ich waren in der Zwischenzeit den ganzen Vormittag völlig durch den Wind und drückten, was sich irgendwie drücken ließ: Daumen, Zehen und vermutlich auch noch ein paar innere Organe.
Dann, um 10:30 Uhr, kam endlich die erlösende Nachricht: ein Bild von einem Dokument und dazu eine knappe, fast schon majestätische Antwort:
Done!
Mehr musste man eigentlich nicht wissen. Die Mission war geglückt.
Ich holte sie anschließend von der Fahrschule ab und merkte sofort: Die Stimmung war entspannt. Kein nervöses Zucken, kein finsterer Blick, kein Schweigen mit Katastrophencharakter — also eindeutig ein gutes Zeichen. Und weil wir ohnehin schon in Dingolfing waren, fuhren wir natürlich direkt und ohne jeden Umweg zum Straßenverkehrsamt, um das berühmte Stück Plastik abzuholen, das aus einem Menschen offiziell jemanden macht, der ein Auto bewegen darf, ohne dass der Staat sofort einschreitet.
Nach ungefähr 15 Runden um den Block fanden wir dann tatsächlich einen Parkplatz vor dem Amt. Ein kleiner Sieg für sich, der fast schon eine eigene Urkunde verdient hätte.
Dann hinein ins Gebäude, Nummer gezogen und geduldig gewartet, bis endlich die Anzeige den Aufruf für Zimmer dreiverkündete — jener magische Ort, an dem Träume wahr werden und Formulare ein kurzes, sinnstiftendes Ende finden.
Das Schreiben vom TÜV wurde abgegeben, der Führerschein entgegengenommen, und dann ging es zurück zum Auto.
Endlich geschafft.
Ab sofort also ganz offiziell: legal fahren, mit gutem Gewissen ein Lenkrad in der Hand halten und nun auch völlig legitim das tun, was im Straßenverkehr alle tun — hoffen, dass die anderen noch ein bisschen besser aufpassen.
Oder, etwas weniger poetisch formuliert:
Endlich legal Unfälle verursachen.