Die Registrierung für das Mathematik Tutorial an der Hochschule Landshut

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oder: Wie man in 72 Stunden um 10 Jahre altert

an der Hochschule Landshut, Campus Dingolfing.

Rückflüge sind ja im Allgemeinen etwas Schönes. Man freut sich auf Zuhause, ein richtiges Bett und funktionierendes Internet. Auch wenn die Anreise gern mal aus Verspätungen, Warteschlangen, Sicherheitskontrollen und fragwürdigem Bordessen besteht – ankommen ist immer ein Highlight.

Was man dabei allerdings nicht unbedingt braucht:
eine parallel laufende bürokratische Schnitzeljagd mit Countdown.

Auch an Hochschulen läuft nicht immer alles nach Plan.

(Überraschung.)

Die Hochschule Landshut ist dezentral organisiert. Die Tochter studiert am Campus Dingolfing im Studiengang SIOB – Sustainable Industrial Operations and Business, was ungefähr so klingt, als würde man nebenbei die Welt retten.

Da die Kommunikation zwischen Landshut und Dingolfing gelegentlich… sagen wir… optimierbar ist, wollen wir hier nicht extra betonen. Tun wir aber trotzdem.

Die Tochter hatte sich bereits vor ihrem Urlaub als Mathematik-Tutorin beworben – und wurde dank ihrer hervorragenden Leistungen in den ersten beiden Semestern auch prompt angenommen. Soweit, so gut.

Jetzt kam allerdings der kleine, unscheinbare, völlig unwichtige Hinweis:
Der Vertrag muss bis spätestens 01.09.2025 unterschrieben werden.
Sonst: Puff. Vertrag weg. Zukunft weg. Drama.

Problem:
Die Tochter war in China.
Internet dort: existiert nur theoretisch.
Kommunikation: abenteuerlich.
Reaktionszeit: gefühlt irgendwann im nächsten Jahrzehnt.

Am 01. September – natürlich erst am 01. September – bekomme ich eine E-Mail vom Campus Dingolfing:

Ihre Tochter muss sich dringend bis heute wegen der Vertragsunterzeichnung melden.

Ja. Super Timing.
Meine Tochter kam allerdings erst am 03. September zurück.

Also: Was tun?
Ich rufe in Landshut an.

Nach einem Telefonat, das mich seelisch gealtert, nervlich entkernt und emotional neu formatiert hat, konnte ich den Termin tatsächlich auf den allerletzten Moment verschieben.

Ich bin in diesem Gespräch schätzungsweise 10 Jahre älter geworden.
Aber: Mission erfüllt.

Vertragsunterzeichnung im allerletzten Moment – mit Jetlag

Wie bereits erwähnt, war der Rückflug etwas holprig.
Ankunft: 03. September, 11:00 Uhr morgens, München.

Zustand der Tochter:
Müde. Sehr müde. Existentiell müde.

Trotzdem: Kein nach Hause, kein Sofa, kein Schlaf.
Erstmal Zwischenstopp an der Hochschule Landshut, um den Vertrag zu unterschreiben.
Denn: Bürokratie schläft nie. Menschen dagegen schon.

Zum Glück lief dort alles reibungslos. Das Personal war ausgesprochen freundlich, geduldig und hilfsbereit – ein echter Lichtblick im deutschen Formular-Dschungel.

Ich hatte im Vorfeld alle Anträge vorbereitet, ausgedruckt, sortiert, abgeheftet, numeriert und vermutlich noch laminiert. Es musste also „nur noch“ unterschrieben werden.

Bonus-Level: Formulare für ausländische Staatsbürger

Wenn man als chinesischer Staatsbürger einen Job bei einer deutschen Hochschule antritt, bekommt man eine ganz besondere Sammlung an Formularen.
Ich weiß nicht, ob das überall so ist – aber es fühlte sich an wie eine Sicherheitsüberprüfung für die CIA.

Unter anderem musste bestätigt werden:

  • Ich gehöre keiner extremistischen Vereinigung an.
  • Ich bin kein Mitglied bei Scientology.
  • Ich schwöre auf die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.
  • Ich bin nicht vorbestraft.
  • Ich arbeite nicht für ausländische Geheimdienste.
  • Ich habe keine ansteckenden Krankheiten.

Und so weiter. Und so fort.

Zur Erinnerung:
Sie wollte Mathematik-Tutorin werden.
Nicht Staatskanzlei-Sekretärin.
Nicht Geheimdienstmitarbeiterin.
Nicht Undercover-Agentin im Dienste fremder Mächte.

Aber gut. Sicher ist sicher.

Fazit:

Ein Job,
ein Vertrag,
zwei Standorte,
drei Nervenkrisen,
fünf Formulare,
zehn graue Haare.

Aber: Am Ende hat alles geklappt.
Und das ist ja bekanntlich das Wichtigste.

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