Deutschkurse

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Wer wären wir, wenn wir so schnell aufgeben würden? Eben. Das kommt natürlich nicht in Frage. Klar, die Abfuhr vom deutschen Konsulat war ein derber Rückschlag – aber jetzt heißt es: Zähne zusammenbeißen, noch mehr Geld verbrennen und zur Not auch mal Verbindungen spielen lassen, weil ein modernes Verfahren schließlich nur dann richtig funktioniert, wenn es ein bisschen nach „Vitamin B“ riecht. Am wichtigsten ist aber: ein Deutschkurs mit möglichem Abschluss A1. Denn ohne dieses magische Dokument bleibt man bekanntlich ungefähr so beweglich wie ein Faxgerät ohne Strom.

Und damit wären wir bei der Frage: Was sind eigentlich diese Goethe-Institute – und welche Qualität liefern sie so ab?

Laut eigener Selbstdarstellung sind die Goethe-Institute das global tätige Kulturinstitut der Bundesrepublik Deutschland. Sie setzen sich für Verständigung zwischen Deutschland, Europa und der Welt ein, basierend auf einem Rahmenvertrag mit dem Auswärtigen Amt. Weltweit informieren sie über die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt Deutschlands und Europas – mit 158 Goethe-Instituten in 98 Ländern, plus Partnereinrichtungen. Gefördert werden sie institutionell vom Auswärtigen Amt, agieren aber als eingetragener Verein natürlich „eigenverantwortlich“, „parteipolitisch ungebunden“ und „rechtlich selbstständig“. Rund ein Drittel des Budgets erwirtschaften sie selbst über Sprachkurse und Prüfungen; zusätzlich helfen EU, Ministerien, Stiftungen und Unternehmen. (Auszug aus der offiziellen Webseite des Goethe-Instituts.)

Klingt alles sehr edel. Quasi ein kulturelles Lichtschwert im Kampf gegen Unverständnis. Und jetzt der niedliche Teil: Die Goethe-Institute haben quasi ein Monopol, wenn es um „offiziell akzeptierte“ Deutschkurse und Prüfungen im In- und Ausland geht. Sie schreiben sich auf die Fahne, politisch unabhängig zu sein – was natürlich hervorragend funktioniert, wenn zwei Drittel des Kapitals aus Bundesmitteln stammen. Also völlig losgelöst. Wie ein Luftballon, der am Panzer festgebunden ist.

Meine Verlobte meldete sich beim Goethe-Institut in Guangzhou an. Natürlich als Onlinekurs – weil wir ja alle gelernt haben, dass Onlineunterricht immer dann am besten ist, wenn man bei null anfängt und eine komplett neue Sprache lernen soll. Der Kurs dauert drei Monate und soll die Teilnehmer „fit für A1“ machen. So die Versprechungen. Meine Verlobte wählte die teuerste Variante mit maximal sieben Teilnehmern. Unterricht Montag bis Freitag, 08:00 bis 12:00 Uhr. Das klang wirklich vielversprechend – wie ein Trainingslager, nur eben für Artikel und Fälle.

Dann stellte sich schnell heraus, dass die Lehrerin (eine Chinesin mit sehr starkem Akzent) im Wesentlichen auf Deutsch vor sich hin plapperte und erwartete, dass Studierende mit null Vorkenntnissen einfach so mitkommen. Meine Verlobte schickte mir einen Mitschnitt einer Unterrichtseinheit. Das kann man nur als unterirdisch bezeichnen. Diese Kurse sind reine Geldverschwendung.

Und es wird noch besser: Schon am Anfang wird man darauf hingewiesen, dass dieser Kurs mindestens fünfmal besucht werden muss, damit man auch nur annähernd den A1-Abschluss erreicht. Fällt da was auf? Genau: Das ist kein Kurskonzept – das ist ein Geschäftsmodell mit didaktischer Kulisse.

Wer Ähnliches erlebt hat, kann sich gern bei „Martin Fox“ unter leitung.de.guangzhou@goetheslz.com beschweren. Vielleicht bewegt sich dann irgendwann etwas. Und vielleicht verschwinden diese staatlich überfütterten Monopolisten ja auch irgendwann von der Bildfläche. Oder sie erfinden vorher noch das neue Premium-Angebot: A1 – diesmal wirklich (nur 5.999 RMB, zzgl. Hoffnung).

Von admin