Der Rückflug mit erwarteten Hindernissen

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NACH FAST FÜNF WOCHEN: DER RÜCKFLUG INS DEUTSCHE BÜROKRATIEPARADIES

Nach einem Jahr Studium in Deutschland war der Kurztrip zurück nach China natürlich die perfekte Auszeit.
Endlich mal wieder richtig entspannen – mit Freunden, Familie, Festen, Reisen, Essen, und exakt null Gedanken an Rückflüge, Gepäck, oder die tickende Uhr namens deutscher Semesterbeginn.
Aber wie das Leben so spielt: Selbst der schönste Urlaub endet irgendwann. Meistens mit einer Google-Suche nach „Flüge ab Hölle – günstig“.

DER ABFLUG: Oder wie man sein ganzes Hab & Gut DHL überlässt

Da man bei vielen Airlines heutzutage scheinbar nicht einmal mehr das Recht auf Luft im Preis inklusive hat, war natürlich kein Aufgabegepäck im Ticket enthalten.
Logische Schlussfolgerung: Man gibt einfach sein gesamtes Leben einem Logistikunternehmen in China mit und hofft, dass DHL das nicht versehentlich nach Honduras verschickt.

Immerhin kümmern die sich um Verpackung, Zoll, Abwicklung – alles. Also: Vertrauen. Was soll schon schiefgehen?
Die Tochter reist also nur mit Handgepäck – minimalistisch, entspannt, fast wie ein buddhistischer Backpacker mit Jetlag.

Die Reiseroute:
Nanning → Shanghai → Paris → München.
Einfach. Elegant. Nur dreimal umsteigen. Wer braucht schon Direktflüge, wenn man auch emotionale Transformation durch Transitflughäfen erleben kann?

Visum war zum Glück keins nötig. Dank Studenten-ID. Es lebe die Bildung.

DER TAG DER ABREISE: Tschüss China, hallo Chaos

Wohnung geputzt, Koffer längst verschickt, Check.
Ab zum Flughafen. Alles läuft! Nanning → Shanghai: reibungslos.
Man denkt kurz, das sei ein gutes Omen.
Spoiler: Ist es nicht.

In Shanghai beginnt das klassische Gate-Geduldsspiel: Verspätung! Über eine Stunde.
Aber hey, vielleicht fliegen die das in der Luft wieder rein, oder?
Kleiner Fun Fact: Flugzeuge sind keine Zeitmaschinen.
→ Ergebnis: Die Ankunft in Paris ist exakt so verspätet, wie angekündigt.

PARIS: Wo Träume sterben und Anschlussflüge verdampfen

Die Maschine landet.
Müde. Hungrig. Halb lebendig.
Und vor allem: völlig aussichtslos, den Anschluss nach München zu erwischen.

Warum?

  • Passkontrolle? Riesenschlange.
  • Zoll? Natürlich.
  • Zeit? Haha. Was ist das?

Fazit: Adieu Anschlussflug. Bonjour Plan B.

Zum Glück sind wir ja mittlerweile Profis im „Spontan Katastrophenmanagement für Fortgeschrittene“.
→ Wir buchen auf eigene Faust einen neuen Flug für den nächsten Tag: 200 Euro. Einfach weg. Auf Nimmerwiedersehen.

Gleichzeitig verhandelt die Tochter mit der Airline. Sie buchen sie auch auf einen Flug – aber ebenfalls für den nächsten Tag.
Na toll. Jetzt haben wir zwei Flüge für eine Person. Wie effizient.

HOTEL? NATÜRLICH AUCH NOCH!

Da man nicht unbedingt möchte, dass das Kind zwischen Duty-Free-Spirituosen und dem Mülleimer am Gate nächtigt, wird natürlich ein Hotel gebucht.

Über Booking.com ein „bezahlbares“ (haha) Hotel gefunden.
Natürlich nicht fußläufig. Natürlich braucht man ein Taxi.
Natürlich hat die Tochter noch genau 50 € Bargeld dabei.
Punktlandung. Willkommen im „Was-kostet-die-Welt“-Modus.

Ankunft im Hotel: 1 Uhr nachts.
Duschen. Schlafen. Frühstück ist zum Glück mit drin.
→ Immerhin ein Punkt für Lebensqualität.

DER (echte) RÜCKFLUG NACH MÜNCHEN

Am nächsten Tag: Rückflug. Diesmal reibungslos.
Die Tochter landet. Wir nehmen sie in Empfang. Große Erleichterung.
Erfolg! Emotionale Rückkehr! Logistik-Meisterleistung!

KURZER NACHTRAG: PARKEN AM FLUGHAFEN MÜNCHEN – ABZOCKE MIT SCHRANKENSYSTEM

Falls jemand denkt, dass das Drama hier endet:
Parken am Flughafen? Ein absoluter Witz.

  • Hinflug: 1,5 Stunden Wartezeit = 30 Euro

  • Rückflug: 30 Minuten = 15 Euro

30 Euro für Stillstehen.
Und das direkt am Terminal, also mitten im finanziellen Bermuda-Dreieck.
Da überlegt man sich wirklich, ob man das nächste Mal einfach im Parkverbot wartet und sich das Bußgeld gönnt – kommt aufs Gleiche raus, aber wenigstens mit Adrenalin.

FAZIT:

  • DHL gewinnt.
  • Paris verliert.
  • Flughafen München zieht dir das Geld aus der Tasche, bevor du „Herzlich willkommen“ sagen kannst.
  • Und wir?
    Sind um eine Erfahrung reicher.
    Und um ein paar hundert Euro ärmer.
    Aber hey – sie ist wieder da.
    Und das zählt ja. Sagt man.

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