ENDLICH WAR ES SOWEIT – NACH EINEM SEMESTER VOLLER… NERVEN, MÜDIGKEIT UND MATHE-TUTORIUM
Die Tochter hatte das erste Uni-Semester in Deutschland heldenhaft überlebt, und zur Belohnung sollte es in die Sommerferien nach China gehen.
Also haben wir natürlich vorausschauend und intelligent – sprich: Monate vorher – einen Flug gebucht. Weil, wie wir alle wissen:
In Bayern sind Sommerferien = Flughäfen sind Kriegsgebiete = alles ist unbezahlbar oder längst weg.
Also: Der frühe Vogel bekommt den Wurm. Der späte Vogel bekommt Ryanair mit Zwischenstopp in Warschau um 3 Uhr früh.
DER FLUG: EINE REISE, DIE NICHTS KOSTET – AUSSER ZEIT, LEBENSENERGIE UND 115 EURO EXTRA
Der Flug war günstig.
Was dabei nicht im Preis enthalten war: eine sinnvolle Route, emotionaler Komfort, und – wie sich herausstellte – Gepäck.
Reiseplan:
München → Paris (6 Stunden warten) → Nanjing (13 Stunden warten) → Nanning (Endgegner).
Ich hätte zart angemerkt, dass man mit etwas mehr Geld eventuell auch weniger Reiseschmerz buchen könnte.
Aber hey – wer braucht Schlaf, Klarheit oder Direktflüge, wenn man sich durch drei Zeitzonen mit einem Butterbrot und innerer Stärke kämpfen kann?
MÜNCHEN FLUGHAFEN, 03:50 UHR: DIE STUNDE DER WAHRHEIT
Wenn du denkst, Flughäfen seien nachts ruhig, bist du vermutlich noch nie bei völliger Dunkelheit und müdem Familienblick in den Abschnitt D von Terminal 1 eingefahren.
Das Beleuchtungskonzept wurde offenbar von jemandem entworfen, der LED-Technik für Hexenwerk hält.
Aber egal – wir waren da.
Auto geparkt. Gepäck ausgeladen. Augen nur halb offen.
Dann auf die Suche nach dem Air France Check-In, während Tochter sich wundert, warum auf der Anzeige eine andere Flugnummer steht.
Ich, halb wach:
„Das ist der EINZIGE Flug nach Paris. Bitte vertrau mir einfach.“
Sie googelt panisch, schaut mich dann mit einem verlegenen Grinsen an:
„Ach so… ‘operated by Air France’. Andere Nummer. Haha.“
Aha. Danke, Luftfahrt.
Sie wollte, dass wir gehen, weil „sie jetzt alles weiß“.
Nett von ihr – aber wir kennen die Realität. Und die hat uns schon öfter in Flughäfen heulend zurückgelassen. Also bleiben wir.
DER AIR FRANCE SCHALTER: WO TRÄUME UND GEPÄCKOPTIONEN STERBEN
Nach einer Wartezeit, in der man ein ganzes Buch über Stress hätte schreiben können, steht sie endlich vorne am Schalter.
Koffer aufs Band, Reisepass gezückt – alles wie im Handbuch.
Dann die Bombe:
„Der Flug beinhaltet nur Handgepäck.“
Pardon, WAS?!
Haben wir das etwa überlesen?
Also entweder war’s winzig klein irgendwo versteckt, oder Fluege.de hat das in weißer Schrift auf weißem Hintergrund verpackt.
Wir buchen dort immer. Bisher nie Probleme.
Aber wie man so schön sagt: Das erste Mal ist immer das schlimmste.
Wir fragen, wie viel das kosten würde.
Die Dame – lächelnd, aber mit dem Sadismus eines Frühdienstes um 4 Uhr:
„115 Euro – bis Paris.“
Klar. Für 2 Stunden Flugzeit.
Fast schon ein Schnäppchen, wenn man auf Schmerz steht.
Ich zücke meine EC-Karte.
Sie:
„Geht leider nicht. Nur Kreditkarte. Und ich kann das leider nicht direkt eingeben. Ich muss… jemanden anrufen.“
Klar. Jemanden anrufen.
Denn wenn ich etwas liebe, dann ist es das Geräusch von Telefontasten in der Business-Class-Zone eines Flughafens.
30 Minuten später (gefühlte fünf Jahre), nimmt am anderen Ende jemand ab.
Kreditkartennummer wird per Hand eingetippt. Datenschutz 1998 lässt grüßen.
Am Ende – funktioniert’s.
Der Koffer darf mit.
DER ABSCHIED: SCHNELL NOCH DURCH DIE SICHERHEITSKONTROLLE UND DANN… CHINA.
Tochter läuft los.
Wir winken.
Innen sind wir leer.
Aber irgendwie auch stolz.
Und sehr, sehr müde.
NACHGEDANKEN: FLUGHAFENPARKEN – DER WIRKLICHE SKANDAL
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1,5 Stunden beim Hinflug warten: 30 Euro.
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30 Minuten bei der Abholung: 15 Euro.
Ich weiß nicht, was frecher ist: das oder der Snackpreis im Duty-Free.
Fazit:
Die Tochter ist angekommen.
Das Gepäck ist angekommen.
Meine Geduld: nicht mehr auffindbar.
Aber Hauptsache: alles hat funktioniert.
Irgendwie.
Wie immer.
Mit viel Liebe, Chaos und einem Hauch Wahnsinn.