Hinflug mit Hindernissen (Teil 1)

H

Das Besuchervisum ist in der Tasche und die Vorbereitungen für den ersten Besuch in Deutschland beginnen …

Es hat uns schon misstrauisch gemacht, dass alles so einfach war und das Konsulat nicht weiter rumgezickt hat. Unser Misstrauen war natürlich völlig unberechtigt – das Visum war tatsächlich da, ganz brav und ordentlich im Reisepass festgeklebt. Manchmal passieren eben auch in der Bürokratie Wunder. So selten wie Kometen, aber immerhin.

Damit fiel der Startschuss für die Flugbuchung. Wir waren uns einig: DongMei bleibt Ende Mai bis Anfang Juni, also rechnerisch etwa zwei Wochen. Länger ging’s leider nicht, weil sie ihre Kundinnen nicht so lange alleine lassen wollte. Verständlich – Selbstständigkeit heißt ja: Du bist frei… nur leider nie.

Und jetzt ein gut gemeinter Hinweis aus dem Leben: Bitte macht nie den Fehler und bucht Flüge in Hast, Euphorie und Eile. Das kann nur schiefgehen. Lasst mich kurz erklären, wie wir uns diese wertvolle Lektion gegönnt haben.

Ich habe „mal schnell“ den Flug mit China Eastern von Shanghai nach Frankfurt gebucht – zu Preisen, die sich anfühlen wie ein Scherz ohne Pointe. Hin- und Rückflug: 1.200 Euro. Gebucht, Bestätigung, E-Ticket. Abflug: 24.05.2021 um 00:04. Alles klar, oder?

Nur wohnt DongMei natürlich nicht in Shanghai, sondern in Nanning. Also buchte sie – ganz logisch – einen Inlandsflug nach Shanghai, nachdem ich ihr die Frankfurt-Flugdaten geschickt hatte. Ihr Plan:

Abflug Nanning: 24.05.2021 um 18:10
Ankunft Shanghai: 24.05.2021 um 21:15

Nun findet den Fehler …

Richtig: Wenn DongMei in Shanghai landet, müsste ihr Anschlussflug nach Frankfurt zu dem Zeitpunkt schon längst in Frankfurt gelandet sein. Also nochmal: Bucht nicht im emotionalen Ausnahmezustand. Aufregung, Euphorie und Eile sind keine Reiseberater, das sind Saboteure.

Wann ist es uns aufgefallen? Mir lief es eiskalt den Rücken runter, als ich realisierte, dass DongMei ihren Flug verpasst hatte – noch bevor sie ihn überhaupt erreichen konnte. Und sie war gerade auf dem Weg nach Shanghai, als auch ihr dämmerte, dass an diesem Plan „irgendwas“ nicht ganz logisch ist. Kleines Detail.

Also buchte ich, während sie unterwegs war, einen Ersatzflug: Etihad am folgenden Tag nach Frankfurt, Umstieg in Abu Dhabi (440 Euro). Dann noch schnell ein Hotel am Flughafen Pudong über Booking.com – sie musste ja eine Nacht in Shanghai bleiben. Und weil das Universum Humor hat: Am nächsten Tag war ihr PCR-Test natürlich nicht mehr gültig. Selbstverständlich. Was sonst.

DongMei landete wohlbehalten in Shanghai. Wir waren beide noch geschockt, aber zumindest erleichtert, dass es eine Lösung gab. Sie fuhr kurz ins Hotel und machte sich dann auf den Weg zu einer Klinik am anderen Ende der Stadt, die einen schnellen PCR-Test anbot. Nach 1,5 Stunden Taxi-Fahrt dann noch drei Stunden Warten auf das Ergebnis. Es war inzwischen 03:30 Uhr morgens. Danach zurück ins Hotel – Ankunft etwa 05:00 Uhr. DongMei war kaum noch in der Lage, die Augen offen zu halten und konnte endlich ein paar Stunden schlafen.

Und dann: der Flieger nach Abu Dhabi am 25.05.2021 um 22:30
Fortsetzung folgt – denn natürlich wird es nicht bei einem einzigen Nervenzusammenbruch bleiben.

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