Das nationale Visum kam per Post und der unglaubliche Flug von Guangzhou nach Frankfurt!

D

Geschafft!! – Oder: Eine Liebesgeschichte in Akten, Anrufen und absurden Umwegen

Geschafft!! Zwei Tage nach der E-Mail der Ausländerbehörde an das deutsche Konsulat in Guangzhou kam tatsächlich der Reisepass meiner Verlobten mit dem heiß ersehnten Visum per Post. Ein Wunder. Ein echtes. Ich habe kurz überprüft, ob wir uns vielleicht in einem Paralleluniversum befinden, in dem deutsche Bürokratie gelegentlich effizient arbeitet.

Denn: Die mühselig zusammengesammelten, abgestempelten, beglaubigten, übersetzten, rückübersetzten und vermutlich bei Vollmond geopferten Dokumente für die Eheschließung hatten eine maximale Gültigkeit bis zum 03.03.2022. Danach: Reset. Alles neu. Komplett. Ohne Diskussion. Ein Aufschub? Natürlich nicht. Bürokratie ist schließlich kein Wunschkonzert, sondern ein Hochpräzisionsinstrument zur seelischen Zermürbung.

Problem: Es ist Anfang Februar. Die Uhr tickt. Laut. Bedrohlich. Dramatisch.

Also: Flüge buchen. Schnell. Panisch. Zielgerichtet. Diesmal nicht von Shanghai, sondern von Guangzhou nach Frankfurt, mit einem charmanten Zwischenstopp in Moskau. Airline: Aeroflot. Was soll da schon schiefgehen? Genau.

Flüge gebucht, bezahlt, innere Organe verpfändet. Hotel für eine Nacht in Guangzhou reserviert, PCR-Test organisiert, alles fein säuberlich durchgetaktet. Die Flüge gehen nur einmal pro Woche. Natürlich sonntags. Warum auch öfter, wenn man das Drama maximal strecken kann?

Ankunft am Flughafen: überpünktlich. PCR-Test: erledigt. Warten auf den Abflug um 00:50 am 20.02.22. Spannung. Hoffnung. Optimismus. Kurz: alles, was man sich später um die Ohren hauen kann.

20 Minuten vor Boarding: Flug gecancelt.

So eine Scheiße!!

Aeroflot angerufen. Keine Auskunft. Vor Ort die Erklärung: Crew Corona-positiv. Na klar. Klassiker. Gepäck zurück, Passagiere eingesammelt, nächtlicher Hotel-Marathon durch Guangzhou. Um 4 Uhr morgens im Bett. Herzlichen Glückwunsch.

Umbuchung auf den 27.02.22. Also nur fünf Tage vor Ablauf aller Dokumente. Perfekt. Hochgradig entspannend. Vertrauenserweckend wie ein Klapprad auf der Autobahn.

Also Plan B: Neuer Flug. Air France. Über Paris. Abflug 22.02.22. Noch mehr Geld. Noch weniger Nerven. Aber: die einzige realistische Chance.

Dienstag, 22.02.22: Check-in. Boarding. Abflug. Das Flugzeug hebt ab. Ich traue der Sache noch immer nicht. Zu glatt. Zu ruhig. Zu verdächtig.

Mittwoch, 23.02.22, 07:00 Uhr: Landung in Paris.
Ich fahre währenddessen bereits wieder Richtung Frankfurt, um meine Verlobte endlich in Empfang zu nehmen.

Dann die Nachricht: Sie ist sicher in Paris gelandet. Aber: Sie findet das Gate für den Anschlussflug nicht. Kaum Englisch. Viel Stress. Große Terminals. Französische Lautsprecheransagen mit Spezialeffekten.

Zwei Minuten vor Gate-Schließung: Sie erreicht außer Atem den Anschlussflug. Zwei Minuten. Wer auch immer das Drehbuch geschrieben hat – weniger Pathos wäre auch okay gewesen.

Dann Frankfurt.

Und endlich: Sie kommt aus dem Gate. Strahlend. Glücklich. Da. Wirklich da. In Deutschland.

Wir waren zusammen. Nach Wochen voller Anträge, Dokumente, Telefonate, Umbuchungen, Panik, Geldverbrennung und Herzklopfen.

Geschafft.

Oder wie die deutsche Bürokratie sagen würde:
Vorgang erfolgreich abgeschlossen. Bitte bewahren Sie alle Unterlagen für mindestens 30 Jahre auf.

 

Von admin