Das erste mal in Deutschland…

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Wie auch immer man das „erste Mal“ definieren möchte – bei uns war es eben das erste Mal, dass wir uns nach so langer Zeit endlich wieder in echt sehen durften. Nicht als Pixel, nicht als Stimme aus dem Handy, sondern als zwei Menschen, die tatsächlich im selben Raum dieselbe Luft teilen. Klingt banal – fühlt sich aber an wie ein kleines Wunder mit Jetlag.

Wir kannten uns zu dem Zeitpunkt schon viereinhalb Jahre und sahen uns beinahe täglich online. Fast jede freie Minute am Wochenende und oft auch unter der Woche – wenn die Arbeit es zuließ – haben wir geredet, gelacht, uns ausgetauscht. Viele sagen ja: „Fernbeziehungen halten nicht lange, ihr müsst euch schnell wiedersehen.“ 2020 war das leider ungefähr so realistisch wie „mal kurz“ beim Amt. Also blieb uns nur Geduld. Und noch mehr Geduld. Und… na ja… Internet.

Und dann war es endlich soweit: Frankfurt am Main, 26.05.2021, 08:45 Uhr. Terminal 1, Gate B. Wir mussten uns erst einmal finden – was am Frankfurter Flughafen ungefähr die gleiche Kategorie ist wie „Suche nach einer Nadel im Hangar“. Der Flughafen ist riesig, verwinkelt, und jeder Weg fühlt sich an wie ein kleiner Ausdauerlauf.

Und dann sah ich sie: eine Frau mit FFP2-Maske und einem kleinen Koffer, die auf mich zukam. Ich erkannte sie sofort – trotz Maske – wahrscheinlich, weil ich sie in den letzten Jahren öfter gesehen habe als manche Leute ihre eigenen Verwandten. Und dann passierte das, was all die Monate „nur noch ein bisschen“ endlich beendet hat: Wir fielen uns in die Arme. So fest, als könnten wir die Zeit dazwischen einfach zusammenknüllen und wegwerfen.

Danach ging alles ganz schnell. Ab zum Auto, raus aus dem Parkhaus, rauf auf die A3 Richtung Regensburg. Nach Hause. Und diese fast fünf Stunden Fahrt waren irgendwie gleichzeitig viel zu lang und viel zu kurz. Wir warfen uns verstohlene Blicke zu, dieses ungläubige Grinsen, das man nicht abstellen kann. Wir waren beide überglücklich und konnten immer noch nicht fassen, dass wir uns wirklich wiedersehen – dass wir tatsächlich da sind, nebeneinander, nicht getrennt durch WLAN und Zeitzonen.

Es war wunderschön. Und ehrlich: Ein bisschen fühlte es sich an, als hätten wir gerade einen Film gewonnen – nur ohne rote Teppiche, dafür mit Autobahn, Parkticket und ganz viel Herz.

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