Chinesisches Neujahrsfest und Rückflug mit Hindernissen

C

EINLEITUNG – CHINA, WIR KOMMEN (ZURÜCK)

Wie bereits im letzten Beitrag zwischen den Zeilen verheult wurde, sind wir also – tadaaa – für ganze drei Wochen nach China geflogen.
Was soll man auch sonst machen in der Freizeit? Wandern in den Alpen?
Bitte.
Richtige Leute fliegen 10.000 Kilometer weit, um endlich wieder dort zu sein, wo die Züge pünktlich und die Lebensmittel frisch sind.

DIE ANKUNFT – UND DER KLEINE REISESPIELPLATZ NAMES BEIJING

Natürlich ganz romantisch pünktlich zum chinesischen Neujahrsfest, dem einzigen Feiertag auf der Welt, der gleichzeitig Weihnachten, Ostern und die Apokalypse simuliert.
Der Hinflug war ein echter Klassiker:

München → Beijing (mit kostenloser Sitzrückenversteifung) → Warten bis zur emotionalen Erschöpfung → Nanning.
23 Stunden im Gesamtpaket, weil warum auch nicht mal eben einen ganzen Tag Lebenszeit in Flughäfen verplempern.

Aber hey – wir haben’s geschafft!
Ab in unsere kleine Wohnung in Zoonähe. Ja, richtig gelesen. Es gibt Menschen, die leben neben einem Zoo. Nicht, weil’s günstig ist – sondern weil’s exotisch ist, nachts von einem Zebra geweckt zu werden.

DER ZUG – ZIVILISATION BEGINNT BEIM FAHRPLAN

Nach einer Woche in Nanning ging’s mit dem Zug nach Dongxing, um beim Neujahrsfest dabei zu sein.
Und jetzt festhalten:
Die chinesischen Züge fahren pünktlich. Pünktlich.
Nicht “wir kommen irgendwann heute” wie bei der Deutschen Bahn, sondern auf die verdammte Minute genau.

Man steigt ein, man fährt, man kommt an.
Ohne Drama, ohne BahnCard-Rätsel, ohne Schienenersatzverkehr durch Traktoren.
Liebe Deutsche Bahn, schaut ruhig mal rüber.
Oder nein – lasst es. Das würde euch nur verunsichern.

NEUJAHRSFEST – ODER: WIE VIELE GESCHWISTER SIND ZU VIEL?

In Dongxing, nahe der vietnamesischen Grenze und dem Meer (Stichwort: Meeresfrüchte-Wunderland) war dann richtig was los.

Meine Frau hat eine große Familie.
Drei Brüder, drei Schwestern – quasi ein Netflix-Familienepos mit Nebendarstellern.
Alle freundlich, herzlich und absolut entschlossen, mich mit Essen zu erdrücken.

Was macht man also beim Neujahrsfest in China?
Richtig:
Essen, essen, essen, singen, spielen, essen, Geschichten erzählen, essen.
Mit etwas Glück überlebt man es ohne Leberversagen.

ZURÜCK NACH NANNING – UND DIE GROSSE TOCHTER-FREUDE

Nach Tagen voller Garnelen, Karaoke und familiärer Reizüberflutung ging’s zurück nach Nanning, um den Rest der Zeit mit der erwachsenen Tochter zu verbringen. Die war – Überraschung – sehr erfreut, ihre Mutter wiederzusehen.
Ich meine, wer würde sich nicht freuen, wenn die Verwandtschaft nach einem internationalen 23-Stunden-Flug plötzlich vor der Tür steht?

ABREISE – ODER: WENN DER HIMMEL SAGT “NÖ”

Drei Wochen: weg.
Gefühlte drei Minuten: vergangen.
Also wieder zurück nach Deutschland – bereit für Grau, Niesel und Streiks.

Der Plan war einfach:
Rückflug Beijing → München.
Was könnte schiefgehen?

Antwort: ALLES.

Schon bei der Landung in Beijing meldet sich mein Smartphone mit der Subtilität einer Abrissbirne:
„Ihr Anschlussflug nach München wurde gestrichen.“
Satzzeichen optional. Dringlichkeit? Maximal. Hoffnung? Minimal.

Also sprinten wir wie orientierungslose Gnus zum AirChina-Schalter, um festzustellen:
Keiner weiß irgendwas.
Wirklich niemand.
Eventuell wusste der Besen im Putzraum mehr.

Zum Glück hatte ich noch den geheimen Zaubertrick WhatsApp – und ein Freund in Deutschland informierte uns, dass am Flughafen München…
das Bodenpersonal streikt.
Na super!
Ich liebe es, wenn ein ganzes Land spontan die Arbeit niederlegt, während ich im Ausland feststecke.

DIE RETTUNG – UND DAS DEUTSCHE ENDE

AirChina war dann doch erstaunlich hilfreich und buchte uns kurzerhand auf einen Flug nach Frankfurt um.
Frankfurt – dieser sympathische Ort, der nur 4,5 Stunden Autofahrt von Zuhause entfernt liegt.
Für Deutschland ein Katzensprung. Für uns: ein letzter Akt in der Tragikomödie.

Und München?
Ach ja – hat mal eben 1.800 Leute im Nirgendwo verdampfen lassen, ohne Plan, ohne Lösung.
Andere Fluggäste haben’s Tage später erst heim geschafft.
Deutschland 2024: Fortschritt durch Stillstand.

FAZIT

China: frische Früchte, pünktliche Züge, funktionierende Abläufe.
Deutschland: Streik, Chaos, Service nach dem Prinzip “Wir tun unser Bestes, nur halt nicht heute.”

Aber hey – wenigstens haben wir jetzt wieder deutsche Leitungswasserqualität und einen Wocheneinkauf für 63 Euro, bei dem man eine einzelne Gurke bekommt.

Ich würde sagen: Urlaub gelungen. Rückkehr… typisch deutsch.

Einen Kommentar hinzufügen