Zu guter Letzt haben wir endlich das ersehnte Besuchervisum beantragt. Inzwischen ist es Mitte April 2021 und wir kennen uns schon fast viereinhalb Jahre – also praktisch eine halbe Ewigkeit in Fernbeziehungszeit. In dieser Dimension altert man schneller, weil jedes „bald“ ungefähr drei Monate lang ist.
Die Dokumente, die ich nach China geschickt hatte, haben übrigens eine Gültigkeit von sechs Monaten. Irgendwie hat in dieser Bürokratie-Welt alles eine Halbwertszeit von sechs Monaten. Komisch, oder? Liebe hält Jahre, Freundschaft hält Jahrzehnte – aber ein Blatt Papier ist nach einem halben Jahr offenbar biologisch abgelaufen. Wahrscheinlich steht irgendwo: „Bitte kühl lagern, vor Sonnenlicht schützen.“
DongMei hatte inzwischen alle notwendigen Dokumente beisammen, und ich kontaktierte wieder einmal das deutsche Konsulat in Guangzhou. Zunächst kam natürlich die gleiche stupide Standardantwort – diese Art E-Mail, die man auch an einen Toaster schicken könnte und er würde sich trotzdem nicht verstanden fühlen.
Erst im zweiten Anlauf, mit vielen Zitaten aus der ersten E-Mail („Sie können sich jederzeit melden…“) bekam DongMei dann tatsächlich einen Termin zur Abgabe ihrer Dokumente in Guangzhou. Hurra, endlich geschafft. Man muss nur höflich bleiben, hartnäckig sein und die eigenen Mails wie ein Anwalt gegen das System einsetzen.
Also: Fahrkarte nach Guangzhou gekauft, Übernachtung in einem Hotel in Konsulatsnähe gebucht – man will ja nicht zu spät kommen. Wer bei sowas trödelt, darf zur Strafe wahrscheinlich nochmal sechs Monate warten und neue Dokumente „reifen“ lassen.
Im Konsulat lief dann alles erstaunlich reibungslos. Die Mitarbeiter stellten nicht viele Fragen, waren freundlich und taten kurz so, als wäre das alles ein normaler Vorgang. Ein Moment, der so selten ist, dass man fast ein Foto machen möchte.
Und dann – wirklich wahr: 48 Stunden später erreichte der Reisepass mit dem ersehnten Schengen-Visum DongMei per Post. Geschafft! Die erste entscheidende Hürde war genommen. Und jetzt konnte endlich die Reisevorbereitung beginnen… also der Teil, in dem man sich einredet, dass ab hier alles leichter wird. (Süß.)