EINLEITUNG – WILLKOMMEN IN DER GALAXIS DER PARAGRAPHEN
Ich weiß, ich weiß – ich wiederhole mich, aber bei manchen Dingen kann man nicht oft genug den Kopf auf die Tischplatte hämmern:
Wenn du jemanden aus einem sogenannten “Drittstaat” heiraten willst, dann sei bereit, einen spirituellen Weg der Entbehrung zu beschreiten, irgendwo zwischen Escape Room, Behördenroulette und kafkaesker Realitätssimulation.
Aber keine Sorge – Deutschland lässt sich da nicht lumpen: Der deutsche Amtsschimmel wiehert konsequent auf Dolby-Surround-Niveau.
Und damit’s noch ein bisschen weh tut, sei am Rande erwähnt: China ist uns in Technologie und Verkehrspolitik um einige Jahrzehnte voraus. Ja, Jahrzehnte. Mit der Betonung auf plural.
Aber hey – bei uns ist wenigstens der Schalter für Anmeldeformular A38 von 8:45 bis 9:15 geöffnet. Donnerstags.
HINTERGRUND – EIN LEBENSLAUF ZUM NEIDEN (ABER NICHT ZUM EINFACH-BEWERBEN)
Meine Frau hat eine Tochter – jung, gebildet, motiviert. Also eine echte Zumutung für jedes deutsche Antragsformular. Sie ist 27, hat ein Studium in “Financial Management” abgeschlossen, unterrichtete höhere Mathematik und ist nun HR-Managerin in Nanning China.
Kurz: Ihre To-Do-Liste ist länger als das Grundgesetz.
Und weil sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen will wie manch andere, will sie noch ein Zweitstudium anhängen – im bezaubernden Land der Formularpflicht: Deutschland.
Studienziel: “Sustainable Industrial Operations and Business” an der Hochschule Landshut.
Hört sich cool an. Klingt nach Zukunft.
Deutschland so: „Na ja, erstmal bitte eine Tour durchs Bürokratie-Schreckenskabinett™.“
APS IN BEIJING – DEIN FREUND UND PARAGRAPHENVERSTEHER
Und hier kommt der heimliche Star der Show: die sagenumwobene Akademische Prüfstelle (APS) in Peking. Was klingt wie eine Mischung aus Elite-Uni und Dumbledores Büro, ist in Wahrheit ein kafkaesker Albtraum auf Papierbasis.
Erste Challenge: Alle Dokumente des Erststudiums müssen eingereicht werden – inklusive notarieller Beglaubigung, Übersetzung, amtlicher Siegel, vermutlich auch Blutprobe und astrologisches Gutachten.
Natürlich alles im versiegelten Umschlag. Weil… Vertrauen ist gut, Siegelwachs ist besser.
Und das alles für lächerliche RMB 2.500. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass es das reine Privileg ist, auf eine Warteliste für die nächste Schikane-Etappe zu kommen: das Interview.
DAS INTERVIEW – DER INTELLIGENZTEST FÜR DIE, DIE SCHON ALLES RICHTIG GEMACHT HABEN
Also, nochmal zum Mitschreiben:
Wenn deine Unterlagen vollständig, perfekt übersetzt, korrekt versiegelt und beglaubigt sind –
wenn du nachweislich qualifiziert bist – dann sagt die APS:
„Cool. Jetzt flieg bitte noch auf eigene Kosten nach Peking für ein Interview, bei dem wir dir subtil unterstellen, dass du dein Studium vielleicht nur geträumt hast.“
Genial, oder?
Das Interview besteht aus einem schriftlichen Teil (ca. 20 Minuten), den man vermutlich im Halbschlaf absolvieren kann – und einem mündlichen Teil, der aus purer Gehässigkeit besteht.
Zwei Leute von der deutschen Botschaft sitzen dir gegenüber:
- Der eine schreibt mit.
- Der andere spielt „Rate mal, was du mal gelernt hast“.
Dabei wird man inhaltlich in allen Hauptfächern des vorherigen Studiums gegrillt, als wäre man gerade auf einem besonders zynischen Arbeitsmarkt gelandet. Und wehe, du verstehst eine Frage nicht – nicht, weil du dumm bist, sondern weil jemand ein Kauderwelsch aus Fachenglisch und Behördensprech zusammengerührt hat.
Und dann?
Durchgefallen.
Nicht wegen Wissen. Nein.
Wegen sprachlichem Missverständnis.
Weil der feine Herr Interviewer glaubt, dass „cross-functional leadership integration in budget control systems“ eine einfache, alltägliche Frage ist.
ZWEITER ANLAUF – DEN JOB KANN MAN JA SCHMEISSEN
Wie also geht’s weiter?
Klar, sie gibt ihren gutbezahlten Job auf, um sich dem deutschen Prüfungswahnsinn nochmal zu stellen. Denn wer braucht schon Stabilität, wenn man sich stattdessen auf ein Behördenabenteuer mit Endgegner-Charakter einlassen kann?
Und ja, das Interview kann man maximal zwei Mal wiederholen. Weil Bildung ja auch was mit Glück zu tun haben sollte. Würfeln, lernen, hoffen – das sind die Werte unseres Systems.
FAZIT: WILLKOMMEN IM ZUGANG ZUM BILDUNGSPARADIES – BITTE NICHT ATMEN
Deutschland liebt Bildung.
Aber bitte nicht zu viele davon.
Schon gar nicht aus China.
Sonst wird’s hier noch zu effizient.
Also:
- Eine hochqualifizierte junge Frau mit Top-Background.
- Motiviert, lernbereit, global aufgestellt.
- Blockiert von einem Interview, das klingt, als hätte es Kafka in der Mittagspause entworfen.
Aber hey:
Immerhin läuft der ganze Vorgang unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung.
Was das deutsche Behördenwesen meint, wenn es sagt:
„Wir haben nichts gegen dich persönlich. Wir sind einfach so.“