Ausländerbehörde Teil 1 und Teil 2

A

Behördengänge in Deutschland können schon etwas ganz Besonderes sein. In großen Städten – und auch auf dem Land. Überall dort, wo Menschen freiwillig Formulare erfinden und dann überrascht sind, dass jemand sie ausfüllen muss.

Wir hatten uns von Anfang an vorgenommen, die entsprechenden Behörden natürlich mit einzubeziehen. So auch die Ausländerbehörde. Man will ja schließlich von Beginn an dieses warme, menschliche Willkommen spüren, für das Deutschland weltweit berühmt ist.

Die Ausländerbehörde ist deshalb wichtig, weil sie vom deutschen Konsulat ziemlich sicher kontaktiert wird. Dann wird dort erfragt, ob es irgendetwas gibt, was gegen eine Einreise nach Deutschland spricht. Und weil so eine Fallakte nicht gerne anonym bleibt, ist es natürlich hilfreich, wenn die Behörde schon mal ein Gesicht dazu bekommt – damit man später wenigstens weiß, wen man ignoriert.

Außerdem sind die Ausländerbehörden zuständig für das Ausstellen einer sogenannten Verpflichtungserklärung. Das ist Teil 1 der Geschichte.

Mit Mietvertrag und den drei letzten Gehaltsabrechnungen im Gepäck machte ich mich nach vorheriger Terminabsprache auf den Weg zur Ausländerbehörde. Wartezeit: gleich Null. Das ist der entscheidende Vorteil, wenn man provinziell lebt. Der Nachteil ist, dass die Menschen, die dort arbeiten, manchmal auch… nun ja… provinziell sind. Aber hey, niemand ist perfekt. Manche sind nur Beamte.

Irgendwie liegt der Altersdurchschnitt dieser Ausländerbehörde bei U-30. Die haben bestimmt schon sehr viele menschliche Schicksale begleitet und nutzen ihre auferlegten Ermessensspielräume voll aus. So der Wunschgedanke. Realistischer ist eher: Sie haben viel Erfahrung mit Stempeln und wissen genau, wie man „Nein“ lächelt.

Die junge Dame nahm meine Unterlagen lächelnd entgegen und lächelte auch noch, als sie sagte, mein Gehalt würde für diese Art der Verpflichtungserklärung zum Heiratszweck wahrscheinlich nicht ausreichen. Ich wurde blass und fing an zu schwitzen, weil nichts beruhigender ist als das Wort „wahrscheinlich“, wenn gerade die Zukunft auf dem Spiel steht. Das Visum rückte plötzlich in weite Ferne. Dann fügte sie hinzu, sie müsse das noch mit einem weiteren jungen Kollegen abstimmen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kam sie wieder lächelnd zurück und offenbarte lächelnd, dass mein Gehalt wohl doch ausreichend sei, um zwei Menschen zu ernähren. Na Gott sei Dank – ich hatte schon Angst, ich müsste meine Verlobte künftig mit Luft und Hoffnung finanzieren. Noch schnell 29 Euro bezahlt und die Verpflichtungserklärung in der Tasche. Effizienz kann Deutschland also doch – wenn’s ums Kassieren geht.

Nächster Tag: Ausländerbehörde Teil 2.

Wie schon bei Teil 1 erwähnt, sind die Mitarbeiter der Ausländerbehörde im Durchschnitt weit U-30. So auch der junge Mann, mit dem ich zuvor einen Termin vereinbart hatte. Es war irgendwie wie man sich einen Besuch im Gefängnis vorstellt: Die Security will zunächst einen Ausweis sehen, bevor man das Gebäude überhaupt betreten darf. Es fehlte nur noch die Leibesvisitation und der Hinweis, bitte keine Hoffnung mit reinzunehmen.

Dann endlich bekam ich Audienz. Ein junger Mann, vielleicht Mitte zwanzig, saß hinter einer Glasscheibe und hatte die Hände über einem Gesetzbuch gefaltet – wie ein Priester, der gleich eine Messe für Paragraphen liest. Auch hier wieder das Lächeln. Ich weiß nicht, ob das Permanentlächeln Einstellungsvoraussetzung war, aber es wirkte jedenfalls sehr professionell: freundlich, unnahbar, und vollkommen immun gegen Realität.

Ich erzählte ihm meine Geschichte und sagte, dass er in Kürze Kontakt zum deutschen Konsulat Kanton bekommen würde. Er nickte und lächelte. Nun ja – den Weg zur Ausländerbehörde hätte ich mir auch sparen können. Aber immerhin: Sie haben jetzt eine Geschichte und ein Gesicht zu einer Fallakte. Das ist doch auch was. Ich verabschiedete mich und war froh, als ich wieder draußen war. Die Security-Person musterte mich ein letztes Mal – vermutlich zur Sicherheit, dass ich keine Integration in der Jackentasche rausgeschmuggelt habe.

Vielen Dank, Ausländerbehörde Dingolfing-Landau. Ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Also wirklich nicht.

Einen Kommentar hinzufügen