Nach einem ruhigen Rückflug endlich die Ankunft in Shanghai. Dieser eine Moment, in dem man kurz denkt: Jetzt wird alles normal. Ein süßer, naiver Gedanke – ungefähr so realistisch wie „nur mal kurz“ beim Amt.
Kaum gelandet, wartete auf die Einreisenden schon ein Bus, der die Passagiere direkt ins Quarantänehotel brachte. Kein Smalltalk, kein „Willkommen zurück“, keine romantische Skyline – nur die sanfte Gewissheit: Du gehörst jetzt wieder dem System. Im Hotel dann das vertraute Ritual: erneut PCR-Tests für jeden, und anschließend bekam jeder sein Zimmer für die nächsten zwei Wochen zugewiesen. Fast wie Urlaub – nur ohne Ausflüge, ohne Pool und ohne die Möglichkeit, als erwachsener Mensch selbst zu entscheiden, wohin du gehst.
Das Hotel war immerhin akzeptabel, das Essen zufriedenstellend. Man soll ja dankbar sein, wenn man in seiner Zelle nicht auch noch kulinarisch gebrochen wird. Und natürlich musste alles selbst bezahlt werden: Hotel, Nahrungsmittel, PCR-Tests. Denn nichts sagt „öffentliche Gesundheit“ so sehr wie: Rechnung folgt.
Diese zwei Wochen waren zäh und gingen an die Substanz. DongMei und ich haben uns im Video-Chat so oft wie irgendwie möglich gesehen – digitale Nähe als Ersatz für echte Freiheit. Am Ende war das für DongMei psychologisch schon an der Grenze des Machbaren. Sie durfte das Zimmer zwei Wochen lang nicht verlassen. Zwei Wochen. Kein Schritt vor die Tür. Keine frische Luft. Keine Bewegung. Nur Wände, Zeit und diese herrliche Mischung aus Isolation und Kontrollgefühl, die man sonst nur aus dystopischen Romanen kennt.
Dann endlich: die Entlassung aus der Quarantäne. Dramatische Erleichterung. Ein Aufatmen. Ein kurzes Gefühl von Sieg – bis, natürlich, kurz vor dem Ausgang die nächste Nachricht aus Nanning kam: Jeder, der sich im Ausland aufgehalten hatte, müsse am Wohnort noch eine weitere Woche in Quarantäne. Selbstverständlich Hotelquarantäne, denn damit kann man Geld verdienen. Anschließend noch eine weitere Woche Hausarrest. Ja, ja… die gefährliche Delta-Variante aus dem Hochrisikogebiet Deutschland. Das Land, in dem man nach zwei Wochen Quarantäne offenbar immer noch ein biologisches Überraschungsei ist.
Und so wurde aus „endlich frei“ wieder „weiter im Programm“. Kapitel beendet? Nein. Nur die nächste Staffel.