Ankunft in Frankfurt Terminal 1

A

Der Anschluss in Abu Dhabi hat funktioniert … und damit war schon mal bewiesen: Internationale Luftfahrt kann manchmal zuverlässiger sein als deutsche Alltagslogik. Ein seltenes, zartes Wunder.

An dieser Stelle muss ich etwas ausholen, denn auch bei mir lief im Vorfeld natürlich alles… sagen wir… maximal deutsch ab. Ich wusste fünf Wochen vorher, dass DongMei am 24.05.21 ankommen würde und am 08.06.21 wieder abreisen musste. Nun, tatsächlich kam sie am 25.05.21 an. Details. Kleinigkeiten. Wer zählt schon Tage, wenn es um Fernbeziehungs-Emotionen und Urlaubsplanung geht?

Ich hatte meinen Urlaub ebenfalls fünf Wochen vorher bei meinem Arbeitgeber eingereicht. Man sollte meinen, das sei ausreichend. Mein Urlaub sollte sich über zwei Wochen und zwei Tage erstrecken. Leider habe ich einen Vorgesetzten mit – um es sehr vorsichtig auszudrücken – antiquierten Einstellungen. Mir fallen zu dieser Person noch viele kreative Kraftausdrücke ein, aber das ist eine andere Geschichte. Zwei Wochen waren „okay“, aber zwei Wochen und zwei Tage? Das war offenbar schon kurz vor Revolution. Drei Tage vor Urlaubsbeginn wurde der Antrag dann zähneknirschend genehmigt. Danke an dieser Stelle an Rainer K. – der Mann, der Großzügigkeit vermutlich für eine bedenkliche Charakterschwäche hält.

Ich lebe in Niederbayern. Ländlich, beschaulich, Dingolfingig – aber leider nicht gerade „Frankfurt Terminal 1“-nah. Ich wusste, dass DongMei um 08:00 Uhr morgens landen würde, also fuhr ich entsprechend früh los, denn laut Navigation dauert es ungefähr vier Stunden bis zum Flughafen. Man will ja nicht riskieren, dass man den Moment verpasst, weil ein Traktor auf der Landstraße sein inneres Tempo-Tier auslebt.

Ich kam pünktlich am Flughafen an, und kurz vor meiner Ankunft schrieb mir DongMei: „Ich bin gelandet.“ Hurra! Herzklopfen! Endlich!

Dann: Frankfurt. Diese große, wunderschöne Maschine aus Beton, Glas und Verwirrung. Die Parkhäuser sind gut – aber orientierungslos. Endlich fand ich eine geeignete Parklücke und beeilte mich, weil ich DongMei endlich in die Arme schließen wollte. Die Aufregung stieg.

Und natürlich kam genau da der Plot-Twist:
Plötzlich bekam ich einen Anruf vom Bundesgrenzschutz. Der Anrufer fragte mich, in welcher Beziehung ich zu der Dame stünde. Ich erklärte dem Beamten exakt dasselbe, was wir dem Konsulat erzählt hatten. Dann kam die Frage nach gemeinsamen Fotos. Ich sagte höflich, dass das zu weit ginge und die Privatsphäre geschützt werden solle – denn warum hätte ein deutsches Konsulat sonst ein Familien-/Partner-Visum ausgestellt? Das Argument schien zu wirken. Ich solle die Dame nun auf der Wache des Bundesgrenzschutzes abholen.

Wer den Frankfurter Flughafen kennt, weiß: Ein verstecktes Büro auf einer versteckten Etage zu finden ist ungefähr so einfach wie „mal kurz“ einen Parkplatz in der Innenstadt. Nach vielem Fragen fand ich endlich diese kleine Bundesgrenzschutzwache. Dort sagte man mir lapidar, die Dame sei schon längst durch die Kontrollen.
Warum machen die sowas?
Vielleicht, weil Frankfurt nicht nur Flughafen ist, sondern auch ein Escape-Room mit Fluglärm.

Und dann – endlich – kam DongMei freudestrahlend und glücklich auf mich zu. Was für ein Moment. Diese Frau ist wunderschön, und ich war einfach nur verliebt und froh. Nach all dem Warten, all den Videochats, all den „bald“-Versprechen: Wir waren wirklich wieder zusammen.

Und dann ging’s zurück ins beschauliche Niederbayern …
… wo die Kühe vermutlich mehr Emotionen zugelassen bekommen als mein Chef bei der Urlaubsplanung.

Einen Kommentar hinzufügen