Das Haushaltsregisterbuch (Hukou) muss also aktualisiert werden – und natürlich darf die komplette Beglaubigungs-Odyssee gleich nochmal von vorne losgehen. Weil wir ja noch nicht genug Zeit, Geld und Lebensenergie in diesen Prozess investiert haben. Wiederholung festigt bekanntlich den Lernstoff. Vor allem bei Behörden.
Ich habe DongMei direkt nach dem Verlassen des Standesamtes über die Vorkommnisse informiert. Sie war kurz davor, in Ohnmacht zu fallen, und hat – wie es sich für einen Menschen gehört, der seit Monaten von Bürokratie weichgekocht wird – als erstes die Schuld bei sich selbst gesucht. Ich musste sie erst mal beruhigen und ihr sagen, dass mir das genauso hätte auffallen müssen. Nach einer Weile hatten sich die Gemüter wieder beruhigt. Also: emotionaler Crashkurs abgeschlossen, nächster Verwaltungslevel geladen.
DongMei wird nun direkt am Montag das Hukou aktualisieren lassen. Danach geht’s zum Notar, wo Beglaubigung und Überbeglaubigung in die Wege geleitet werden (ca. 1 Woche). Anschließend wird ein Agent in Guangzhou beauftragt, die Legalisierung durch die deutsche Botschaft erledigen zu lassen (ca. 1 Woche). Und dann kommt DHL wieder auf das Spielfeld (nochmal 1 Woche), weil ohne Expressversand keine wahre Liebe entstehen kann. Insgesamt dauert das also erneut rund drei Wochen, bis ich das Dokument hier habe, um es beim Standesamt vorzulegen. Romantik-Level: „Trackingnummer“.
Das Oberlandesgericht hat ja bereits signalisiert, dass es ungefähr 10 Wochen benötigt, um den Vorgang abzuschließen. Also: alles im Zeitplan. Trotzdem frage ich mich, was da eigentlich 10 Wochen dauern kann. Vielleicht müssen sie das Hukou erst in Latein übersetzen, anschließend in Stein meißeln und dann mit einer Brieftaube nach Mordor schicken. Anders lässt sich diese Geschwindigkeit kaum erklären.
Die erneuten Kosten sind natürlich auch ein Gedicht:
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ca. 110 Euro für Beglaubigung und Überbeglaubigung
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ca. 80 Euro für Agent und Legalisierung
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ca. 70 Euro für DHL Express
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plus 25 Euro für den Übersetzer in München
Macht zusammen wieder 285 Euro, einfach so verpulvert – für ein falsches Wort in einem extrem selten benutzten Dokument namens „Hukou“. Aber hey: Hauptsache, die Behörden in Deutschland sind zufrieden. Das ist ja schließlich das eigentliche Ziel. Nicht die Eheschließung, nicht das gemeinsame Leben – sondern die Erfüllung des heiligen Rituals „Unterlagen vollständig“.
Frechheit.